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Matthäus Parisiensis: Chronica maiora
Das Haus Anjou
Die Anjou in Sizilien und Neapel:
Das spätmittelalterliche Haus Anjou ist aus einer Seitenlinie des französischen Königs-Hauses hervorgegangen. Es beginnt damit, dass Karl I., jüngerer Sohn König Ludwigs VIII. und Bruders von König Ludwig dem Heiligen, 1246 die Grafschaft Anjou als Apanage erhält.
Der Aufstieg Karls I., Graf von Anjou, des Begründers des angevinischen Königs-Hauses, beginnt mit seiner Vermählung mit Beatrice von der Provence, die ihm die Grafschaft Provence als Mitgift einbringt, und über die er seit 1245 herrscht. Er zieht die Aufmerksamkeit Papst Urbans IV. auf sich, der ihn nach Überwindung der Widerstände, die König Ludwig der Heilige, Karls Bruder, seinem politischen Plan entgegensetzt, nach Italien ruft, um Manfred die sizilische Krone abzunehmen. Am 6. Januar 1266 in Rom zum König von Sizilien gekrönt, besiegt er am 26. Februar 1266 Manfred bei Benevent, und zwei Jahre später, am 23. August 1268, den Staufer-Erben Konradin. Er regiert dann von 1266-85, wobei er seinen Einflußbereich über Tuszien und Teile Süditaliens ausdehnt.
Karl II. ("der Lahme") wird sein Nachfolger. Sohn Philipp wird so verheiratet, dass er das Fürstentum Achaia erhält, eine Tochter wird mit dem Kaiser von Konstantinopel verheiratet und Isabella mit Ladislaus IV., dem König von Ungarn.
Karl II. heiratet Maria von Ungarn, die Tochter König Stefans V. und Schwester Ladislaus IV. Er verliebt nach dem Aufstand der Sizilianischen Vesper 1282 und dem Frieden von Caltabelotta 1302 Sizilien an Friedrich III. von Aragón.
Nachfolger soll Ludwig, der zweite Sohn Karls II. werden, der jedoch die kirchliche Laufbahn einschlägt und auf den Thron verzichtet. Er tritt in den Minoritenorden ein,
wird Bischof von Toulouse und bald heiliggesprochen. Die Thronfolge geht nun auf den dritten Bruder über, Robert, der seit dem Tode des Vaters 1299 bis 1343 König von Neapel ist.
Sohn Philipp wird Fürsten von Tarent, Johannes Herzog von Durazzo. Sie begründen die Linien Anjou-Tarent und Anjou-Durazzo. Von den Töchtern heiratete Maria in erster Ehe Sancho von
Aragón, König von Mallorca, in zweiter Jakob von Aragón, den Herrn von Xerica. Blanca wird durch ihre Vermählung mit König Jakob II. Königin von Aragón.Margarete heiratet Karl von
Valois, Bruder König Philipps des Schönen und Vater des Begründers des Hauses Valois, Philipp VI. Beatrice vermählt sich mit dem Markgrafen Azzo VIII. von Este, Signore von Ferrara und nach
dessen Tod mit dem provencalischen Adligen Bertran des Baux (del Balzo), Graf von Montescaglioso. Die letzte Tochter, Eleonora, ehelicht Friedrich II. (III.) von Aragón, König von Trinakria.
König Robert hatte aus seinen beiden Ehen - mit Jolande (Violante) von Aragón 1302 und mit Sancia von Aragón - nur einen Sohn, Karl, Herzog von Kalabrien, der 1328 vor ihm
stirbt.
Nach Roberts Tod folgt ihm unter Ausschluß sämtlicher anderer Verwandter seine Enkelin Johanna, die Tochter von Karl, Herzog von Kalabrien, auf den Thron. Ihre Schwester Maria wird für die Nachfolge designiert, jedoch nur für den Fall, daß Johanna vor ihr stirbt. Entweder um ihre Position zu festigen oder um die Verbindung zum ungarischen Zweig der Familie enger zu knüpfen, sieht sich Johanna gezwungen, Andreas von Ungarn, den Bruder König Ludwigs I. ("des Großen") zu ehelichen.
Kurz nach ihrer Thronbesteigung (1343) wird Johanna durch die Ermordung des Gatten, an der sie vielleicht nicht unbeteiligt ist, zur Witwe, ohne Kinder zu haben. Nach Überwindung der darauf folgenden Krise heiratet sie ihren entfernten Vetter Ludwig, der 1362 stirbt, später einen anderen entfernten Verwandten, Jakob III. von Aragón-Mallorca, und schließlich Otto, Herzog von Braunschweig-Grubenhagen. Erbenlos steht sie im Zentrum heftiger Familienintrigen, wird abgesetzt, versucht sich 1380 durch Adoption des französischen Prinzen Ludwig von Anjou mit dem französischen Königs-Haus zu verbinden und wird 1382 von Karl III. aus der Linie Anjou-Durazzo gefangengenommen und ermordet.
Karl III. herrscht von 1382-86 über Neapel, besteigt dann den Thron von Ungarn, wo er jedoch im gleichen Jahr ermordet wurde.
Ihm folgt 1386 der damals zehnjährige Ladislaus unter der Regentschaft seiner Mutter Margarete auf den neapolitanischen Thron. Vier Jahre später erhält er die volle Herrschergewalt und strebt
mehrfach erfolglos nach der ungarischen Krone. Da er von seinen drei Gemahlinnen keine Kinder bekommt, fällt 1414 die Nachfolge an seine Schwester Johanna II., die ebenfalls erbenlos stirbt und
durch ihre schwankende Haltung gegenüber den um die Nachfolge rivalisierenden Mächten, den französischen jüngeren Anjou und den Aragonesen u.a. durch Testamentsänderungen große Unruhen
hervorruft, die mit der Eroberung des Königreichs Neapel durch Alfons V. von Aragón enden.
Die Anjou in Ungarn:
Karl I. von Anjou schließt 1269 mit dem »jüngeren König« Stephan V. ein Schutz- und Trutzbündnis, das 1270 mit der Verlobung ihrer Kinder besiegelt wird. Während die Ehe des
Ungarn-Königs Ladislaus IV. kinderlos bleibt, schenkt seine Schwester Maria ihrem Gatten, dem König Karl II., 14 Kinder und wird Stammutter sowohl des ungarischen wie auch des neapolitanischen
Zweiges der Anjou. Nach dem Tode Ladislaus' IV. (1290) betrachtet sich Königin Maria als einzige rechtmäßige Erbin des ungarischen Königreichs, das sie am 6. Januar 1292 formell ihrem ältesten
Sohn, Karl ("Martell"), übergibt. Als dieser 1295 stirbt, ändert sein Vater, Karl II., die Erbfolge und setzt seinen dritten Sohn Robert als Erben beider Sizilien ein.
Dem Sohn Karl Martells, Karl Robert (Caroberto), blieb zunächst nur der leere Titel »rex Hungariae«. Papst Bonifatius VIII. als Lehnsherr stimmt dieser Regelung zu und erklärte
1299 den zehnjährigen Karl Robert zum König von Ungarn. Nach dem Tod König Andreas' III. (1301) entscheiden sich jedoch die mächtigsten Oligarchen für den böhmischen Thronfolger Wenzel III.,
einen Enkel Bélas IV., der sich mit der Tochter des letzten Arpaden-Königs verlobt. Bonifaz VIII. lädt 1302 beide Könige vor und spricht Ungarn nach einem formalen Gerichtsverfahren dem Anjou zu.
Karl Robert, dem sein Großvater 1304 auch Salerno und den Honor Montis Sancti Angeli wegnimmt, soll mit der Krone Ungarns entschädigt und davon abgehalten werden, den Thron aufgrund des Erstgeburtsrechts Robert streitig zu machen. Karl Robert kann sich erst durchsetzen, als die sonst sehr erfolgreiche päpstliche Diplomatie den Anspruch der Kurie auf Lehnshoheit über Ungarn fallen lässt. Er wird 1308 als König Karl I. allgemein anerkannt.
Der junge Herrscher macht sich die Tradition der Arpaden zu eigen und betrachtet das Geblütsrecht als Grundlage seiner ungarischen Herrschaft, gibt jedoch seinen Anspruch auf das väterliche Erbe in Italien nie auf.
Karl Robert ist durch seine Mutter. Tochter des deutschen Königs Rudolf von Habsburg mit den Habsburgern in Österreich verwandt und wird von ihnen im Kampf um die ungarische Krone gegen Wenzel-Ladislaus von Böhmen unterstützt. Durch seine Ehen knüpfte er verwandtschaftliche Bande mit den Piasten und Luxemburgern.
Ludwig wird 1329 mit Margarete, der Tochter Karls IV., verlobt.
Andreas wird aufgrund der 1332 mit König Robert getroffenen Vereinbarung 1333 nach Neapel gebracht und mit der
Enkelin und Thronerbin Roberts, Johanna, verlobt.
1339 schließt Karl I. in Visegrád mit dem letzten Piasten-König Kasimir dem Großen den Erbvertrag, der seinem Sohn und Nachfolger, König Ludwig I., 1370 die polnische Krone einbringen wird. Das Abkommen von 1332 über das Königreich Neapel wird dagegen nicht erfüllt. Andreas wird 1345 in Aversa von Hofleuten ermordet. Katharina von Valois, Witwe des Herzogs von Tarent, Philipp von Anjou, hat die Mörder wohl im Einvernehmen mit Johanna angestiftet.
Johanna bringt einen Sohn, Karl Martell, zur Welt, der trotz der zahlreichen Liebschaften der Königin als Kind des Andreas und Thronerbe auch von König Ludwig I. anerkannt wird. Dennoch verlangt der Ungarn-König vom Papst die Verurteilung und Absetzung Johannas und erneuert den Anspruch der ungarischen Anjou auf das Lehen Neapel-Sizilien. Die vom Papst angeordnete Untersuchung verläuft im Sande, weil die Anstifter die Täter und Mitwisser schnell hinrichten lassen. Hinzu kommt, daß die Päpste in Avignon und ihr Schutzherr, der König von Frankreich, die ungarischen Anjou von Italien unbedingt fernhalten wollen.
Was König Ludwig I. in zwei siegreichen Kriegszügen nach Süd-Italien (1347-1348, 1350) nicht erzwingen kann, versucht er durch Heirat zu erreichen. Nachdem der kleine Karl
Martell 1348 gestorben ist, kommt Ludwig 1349 mit dem päpstlichen Legaten überein, daß sein Bruder Stephan Johannas Schwester und designierte Nachfolgerin, Maria, heiraten solle. Marias Gatten,
Karl von Durazzo (Anjou 1.), hatte Ludwig 1348 als Verräter verurteilen und köpfen lassen, doch macht er 1350, nachdem seine Frau 1349 an der Pest gestorben war, selbst einen Heiratsantrag, wird
aber abgewiesen.
Eine andere Ehe bleibt vorläufig kinderlos. Er lässt 1364, einem Vorschlag des Papstes Urban V. folgend, den zehnjährigen verwaisten Karl II. von Durazzo nach Ungarn holen, verlobte ihn mit der einjährigen Anna, Tochter Kaiser Karls IV. und überträgt ihm die Würde des Herzogs von Slavonien und Kroatien, die meist der Thronfolger inne hatte.
Königin Elisabeth schenkt aber ihrem Gatten nach 17 Jahren Unfruchtbarkeit drei Töchter. Maria wird 1372 mit Sigismund von Luxemburg. König Ludwig I. bestimmt beide zu Erben seiner beiden Königreiche. Karl II. von Durazzo verhilft er zum Thron von Neapel. Als er 1382 stirbt, erlosch die männliche Linie des ungarischen Zweiges.
Die elfjährige Maria besteigt sofort den ungarischen Königsthron, aber die Polen lösen die Personalunion mit Ungarn und krönen die jüngere Tochter Ludwigs Hedwig zum »König«. Königin Elisabeth
als Regentin und der Palatin Nikolaus Garai möchten Maria an Ludwig von Orléans verheiraten, im Sommer 1385 findet auch die Hochzeit per procuram statt. Sigismund von Luxemburg setzt sich aber
mit Waffengewalt durch und heiratet die Königin am 1. November 1385. Maria herrscht dann seit 1387 mit ihrem zum König gewählten Gatten. Sie stirbt am 17. Mai 1395 nach einem Reitunfall. Mit dem
Tode Hedwigs 1400 stirbt der ungarische Zweig der Anjou auch in der weiblichen Linie aus.
Wiesbaden im Mittelalter
Die früheste Erwähnung Wiesbadens, des antiken Aquae Mattiacorum, in der Nachantike steht bei Einhard zu 829: ad castrum, quod moderno tempore Wisibada vocatur, übernachtet er bei seinem Reliquientransfer. (in: Renkhoff, S.6). Mit castrum ist wohl die römische Ummauerung gemeint. Vermutlich gibt es hier auch einen Königshof und eine Kirche. Im ganzen Königs-Sondergau gibt es königlichen, kirchlichen und adeligen Besitz. Konradiner werden hier Grafen.
965 hält sich Kaiser Otto I. hier auf. 995 und 1022 wird Wisebadon wieder erwähnt, im letzteren Fall als villa. 991 wird mit Drutwin das Grafenamt erblich, und der gilt als Stammvater der Grafen von Nassau mit Besitz an der unteren Lahn.
Nach 1100 erbauen die Laurenburger die Burg Nassau, nach der sie seit 1160 benannt werden. Sie verfügen bald über den Wiesbadener Königshof und 1215 sind sie im Besitz des Patronats der Wiesbadener Kirche. Zugleich konkurrieren sie mit den Eppsteinern, gegen die die Nassauer die Burg Sonnenberg errichten. Fast durch das ganze 13. Jahrhundert sind dann Eppsteiner Erzbischöfe von Mainz. Eppstein kontrolliert immer mehr vom Südosten des ehemaligen Königs-Sondergaus. Nasau gewinnt die Ortsherrschaft über Wiesbaden.
Eppstein ist staufisch, Nassau welfisch bis 1214. 1215 geht das Patronat über die Mauritiuskirche an den Deutschen Ritterorden. Um 1232 wird Wiesbaden Reichsstadt, und 1236 hält sich der Kaiser hier auf. In der Spätzeit des Kaisers fällt Nassau von ihm ab, zusammen mit seinem Kölner Lehnsherrn Konrad von Hochstaden.
1241 wird Wiesbaden als civitas bezeichnet, hat einen vom Reich eingesetzten Schultheißen und cives als Schöffen. In der Stadt gibt es Stadthöfe umliegender Klöster und von Adeligen.
1242 ist Nassau wieder stauferfreundlich, und Mainz schlägt zu. In einer Wormser Chronik heißt es:
Die Anhänger des Erzbischofs verbranten vil dorffer und deten grossen sschaden, fingen etlich herren, die sie doeden liessen, und zürstorten unnd verbranten die statt Wieszpaden. (in:Renkhoff, S.74)
Mit der Zerstörung verliert Wiesbaden seinen Reichsstadt-Charakter.
Im 13. Jahrhundert: Burg und engere Stadt, ummauert, eigentliche Reichsstadt
"Flecken" mit Pfarrkirche, Markt, Gemeindebad und Mühle, durch Wall und Graben geschützt. Quellen- und Bäderbezirk ohne Ummauerung bis ins 17. Jh. Thermalbad.
1280 universitas de Wisebaden vertreten durch vom Grafen auf Lebenszeit ernannten Schultheißen, sieben aus der Bürgerschaft gewählte und vom Grafen bestätigte Schöffen und mehrere ehrbare Männer. Schultheiß und Schöffen sind reiche und mächtige Bürger.
1292 bezeichnet Adolf von Nassau Wiesbaden als seine Stadt. Er fördert aber eher Idstein und Weilburg. Nach 1305 vollständige Ummauerung von Burg und engerer Stadt mit drei Türmen. Der viel größere Flecken mit seinem hohen Grünland-Anteil und das Bädergebiet durch Wälle, nasse Gräben und Weiher gesichert, von vier Bächen gespeist. Das reicht offenbar für die Verteidigung. (Renkhoff, S.136)
1318 kann sich die Stadt gegen einmonatige Belagerung durch Truppen von König Ludwig verteidigen. Aber das Umland wird geplündert und verwüstet. Inzwischen gibt es ein Stadtsiegel.
1346-53 gerät die Stadt in den Mainzer Bistumsstreit. Nassauer werden Mainzer Erzbischöfe bis 1475.
1355 wird Nassau-Idstein/Wiesbaden von Nassau-Weilburg abgetrennt. Es beginnen die Zeiten, in denen Teile oder die ganze Herrschaft Wiesbaden immer mal wieder verpfändet werden. Kriegerische Konflikte mit den Eppsteinern.
1361 tauchen vier ratlude auf, kurz darauf ein Bürgermeister.
1379 wird in Wiesbaden die ritterliche Löwen-Gesellschaft gegründet. Sie erweitert sich langsam Deutschland-weit.
Graf Adolf unterstützt König Sigismund und ist einflussreich. Wiesbaden wird langsam stärker nassauische Residenz.
1431 taucht ein regulärer Stadtrat auf, nunmehr mit zwei Bürgermeistern. Aber ab 1474 verschwindet er wieder zugunsten von "Geschworenen", die einst dem Rat vorausgegangen waren.
Ende des 15. Jahrhunderts Niedergang der Eppsteiner. Kaiser Friedrich III. ist öfter in den Wiesbadener Bädern.
Die Verteidigung ist Sache der Bürger. Der Graf führt in der Stadt und auf den Dörfern Musterungen durch, bei denen die Waffen vorgezeigt werden müssen.
1480-1511 residiert Graf Adolf III, ständig in Wiesbaden. Ab 1507 wird der Flecken ummauert. Vor der Stadt Landgräben, Hecken, Gebück aus gekappten Hainbuchen.
Um 1520 werden Geschworene Bürgermeister, und die übernehmen nach einem Jahr andere Ämter. Alle werden bezahlt.
Städtische Einnahmen 14./15.Jh.
Ab 1438 etwas mehr als die Hälfte Back-Ungeld beim Mahlen von Roggen und Weizen. Befreit sind Schultheißt, Büttel, Priester, Förster (Renkhoff, S. 156)
Es folgt die Grund- und Gebäudesteuer und das Wein bzw. Bier-Ungeld. Bis Mitte des 16. Jhs. überwiegen die Steuern, insbesondere die indirekten. Dann steigt die Herdsteuer erheblich an.
Ausgaben: Fast die Hälfte sind Abgaben an den Grafen, vor allem die Bede auf Grundbesitz. Dazu erhält er bis 1478 das gesamte Wein-Ungeld, danach erhält die Gemeinde etwa ein Fünftel davon. (Renkhoff, S.159)
Ausgaben sind auch der Schuldendienst und die Bau-Unterhaltung sowie Besoldungen. Außergewöhnliche Ausgaben werden durch Kredite finanziert.
Im 15. Jahrhundert tauchen zwei Gemeindehäuser auf, die als Rathaus dienen. Um 1580 neues Rathaus, nach Brand um 1610 das noch heute erhaltene (Alte") Rathaus.
Um 1467 sieben offizielle Marienfeste im Jahr. (Renkhoff, S.173)
In Wiesbaden selbst gibt es kein Kloster, aber die Klöster außerhalb besitzen Höfe im Flecken. Daneben gibt es den gräflichen Schloßguthof. Der Adel besitzt mehr Höfe im Flecken, als es dort geistlichen Besitz gibt. Daneben gibt es auch Adelshöfe in der engeren Stadt und dort auch die Burgmannen-Häuser.
Heiße Natriumchlorid-Quellen, 21 Thermalquellen werden genutzt. Gemeindebad mit vom Grafen erlassener Badeordnung, Badhäuser mit 10-20 Betten zur Übernachtung bei Selbstverpflegung. Sie gehören der wohlhabenden städtischen Oberschicht.
Recht arbeitsteiliges Handwerk, manche Spezialisten werden aus Mainz geholt.
Tuchhandel auf der Frankfurter Messe in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Für die Wollweberei Schafzucht im Taunus.
Im 15./16. Jahrhundert vornehme Damen und Herren auf Badekuren.
1474 erste Gewerbeordnung der Metzger, gemeinsam durch Graf und Gemeinde erlassen. Saisonale Fleischsorten, Höchstpreise. Qualitätskontrolle durch Beseher. Vier Bäcker verkaufen in Brothalle. Ebenfalls Höchstpreise. Wohl bis ins 16. Jahrhundert zumindest viele Hausschlachtungen und Backen zuhause.
Drei landesherrliche Mühlen.
Bis Anfang des 16. Jahrhunderts blühendes Gastgewerbe. Nach 1527 Privilegierung von vier Schankhäusern, was die übrigen schädigt.
Im 15. Jahrhundert vier Jahrmärkte, daneben Wochenmärkte. Im Flecken das Kramhaus für täglichen Verkauf.
Eigentliche Stadt ummauerter Raum um die Burg mit dem "Platz", wohin sich die Menschen bei Gefahr flüchten. Flecken um Pfarrkirche. Bäderbezirk "Sauerland".
Häuser mit Giebelseite zur Straße. Kaum durchgehende Häuserfronten. Neben dem Haus Durchfahrt zu Wirtschaftsgebäuden. Erst für 1524 erste Pflasterung belegt. Im 16. Jahrhundert Beleuchtung mit Feuerpfannen an wenigen Stellen.
In der Gemarkung Feldflur und Allmende-Wald.
In der Stadt gibt es keine Ärzte oder Apotheker. Stattdessen Bader. Der Graf hat eigenen studierten Privatarzt. Um 1350 gründet der Graf ein Hospital. Nur Unterkunft und Verpflegung, keine Behandlung
1525 Bauernkrieg, der in der Stadt als Bürgeraufstand mittlerer Bürger stattfindet. Beschwerden gegen Geistliche, Stadtobrigkeit und gräfliche Verwaltung. In Wiesbaden danach Gefängnis und Geldbußen, keine Hinrichtungen. Freiheiten der Stadt werden eingeschränkt.
Bis 1555 setzt sich in kleinen Einzelschritten die Reformation erst in der Bevölkerung und dann in der Obrigkeit durch.
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert viele Seuchen, es ist dann von dem Sterben die Rede. 1524 geschätzte 1200 Einwohner, 1550 1000-1100.
Im 16. Jahrhundert manchmal 2, manchmal vier jüdische Familien, gelegentlich Kreditgeber für den Fürsten.
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Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung
Der Bruch mit dem Mittelalter
Fabriksystem, Untergang des Handwerks und Industrialisierung der Landwirtschaft
"Aufklärung"
Verwissenschaftlichung
Politische Theoriebildung als alleinige Rechtfertigung von Machtausübung
Geschichtsschreibung: Die Geschichte der Wenigen und die vielen Anderen
An das Unheil der Geschichte schließt sich das Unheil der Geschichtsschreibung fast lückenlos an.
Geschichte handelt von Geschehen, welches naturgemäß immer zugleich Vergangenheit ist. Soweit es nicht wie fast alles vergessen wird, also soweit es erinnert wird oder neu entdeckt werden kann, verwandelt sich das Geschehen in Geschichten, die manchmal in Verbindung gebracht werden können, mit denen man sich auseinandersetzen kann, und die immer neue Horizonte in Zeit und Raum erschließen.
Geschichte ist keine Wissenschaft wie die mathematisierten und technik-orientierten Naturwissenschaften, aber sie kann sich der Kriterien wissenschaftlicher Verfahrensweisen bis zu einem bestimmten Punkt bedienen. Am Ende ist sie so subjektiv, wie Subjektivität den Menschen nur interessant machen kann, sie ist so subjektiv wie das Interesse, welches dahintersteckt, mag es auch nach Verallgemeinerung streben.
Schließlich ist Geschichte immer Erzählung, Bericht, Untersuchung, und darum selbst im besten Fall höchstens ähnlich dem, was einmal war. Das hat dann auch etwas mit den Zufälligkeiten von Erinnerung zu tun, von Fundstücken und Überlieferungen, und natürlich mit den Interessen des Erzählers.
Kenntnisse von irgendeiner Vergangenheit haben wir umso weniger, je mehr uns Texte fehlen: Geschichte ist immer ein Text, und er handelt vorwiegend von dem, was sich in Text fassen lässt. Schon dadurch geht fast die ganze Vergangenheit völlig verloren. Knochen, Gebäude. Werkzeuge, Artefakte und ähnliches erlauben nur blasseste Spekulation über das, was von vergangenen Menschenaltern handelt, wenn wir nicht wenigstens in Texten Menschen "lauschen" können, die dazu gehörten.
Nun ist aber über die Überlieferung Geschichte bereits ganz ungeheuer einseitig: Von den meisten Menschen "wissen" wir gar nichts, von den meisten übrigen fast nichts, und mehr nur von ganz, ganz wenigen. Dies sind die Wenigen, von denen wir Schriftliches überliefert haben, und je weiter wir in die Vergangenheit zurückgehen, desto weniger wird das, - und wenn wir uns in Richtung "Gegenwart" bewegen, handelt es sich andererseits um eine längst unüberschaubare Masse an "Quellen", die unter den Bedingungen des Buchdrucks und dann später der Massenproduktion immer weniger über Menschen und immer mehr über den Warencharakter der Produkte verraten, während sich die Menschen zunehmend dahinter verbergen.
Das Problem der Einseitigkeit wird aber erst dadurch so recht schwerwiegend, dass Vorgänge des Wandels, des Betreibens von Veränderung, die gerade auf diesen Seiten hier auch betrachtet werden sollen, vornehmlich von ganz wenigen nur betrieben wurden, die dadurch in unserer Wahrnehmung eine besondere Prominenz erhalten. Die Geschichte ist soweit die der wenigen Erfinder und nicht so sehr die der Mitmacher und Nachahmer, sie ist eine der besonderen Talente und Antriebe, wie sie nur wenigen zuteil wurden - im Guten wie im Bösen. Und schließlich ist sie eine der Prominenz der großen Machthaber, die seit Jahrtausenden mit dem Hang von zu "Volks"massen umgeprägten Menschen rechnen dürfen, ihr Leben nicht selbst und zugleich gemeinsam verantworten zu müssen.
In dem, was wir hier als Geschichte betrachten, ist dann noch etwas wichtig: In der Regel wissen die Beteiligten nicht, was sie anrichten, welche Folgen es hat und ignorieren die fatale Differenz zwischen Absicht und tatsächlicher Wirkung. Wenn Geschichte im Rückblick dem naiven Betrachter plausibel, konsequent, logisch linear erscheinen mag, so war und ist genau das im Vorausblick immer illusionär. Die Logik des Rückblicks ist eine Konstruktion des Betrachters. Auch insoweit ist Geschichte reine Ansichtsache, und die Blickrichtung verändert den Gegenstand in ganz erstaunlichem Maße.
Zwischen Herodot und dem einsam herausragenden Thukydides entwickelt sich eine zunehmend weniger dem Hörensagen gehorchende und kritischere, analytischere
griechische Geschichtsschreibung. Erst relativ spät beginnen Römer die eigene Geschichte aufzuschreiben, nämlich seit den punischen Kriegen, und entsprechend werden römisches Machtstreben und die
Interessen der Reichen und Mächtigen ungeniert propagiert. Mit den Bürgerkriegen kommt dann mehr oder weniger ideologisch verbrämte Parteinahme für einzelne Machtfraktionen hinzu. Das
Entsetzliche an dieser Geschichtsschreibung ist aber vor allem, dass sie im wesentlichen von Kriegen und Machtkämpfen handelt, von Gewalttätern vor allem, von denen ein Teil auch noch gefeiert
wird. Die allermeisten Menschen tauchen nur summarisch als das massenhafte Menschen-Material dieser Halunken auf und wir erfahren nicht einmal exemplarisch etwas von ihrem
Leben.
Das wird seit Livius 'Ab urbe condita', welches schon ins Prinzipat mündet, über Tacitus bis zu den letzten weströmischen
antiken Autoren nicht besser. Tiberius lässt ein prorepublikanisches Geschichtswerk verbrennen und bekommt dafür von Velleius Paterculus eines, welches ihn lobt. Auf Lucans sogenannte
'Pharsalia', welche Cato feiern, folgt der präventive Suizid des Autors.
Tacitus beklagt das Ende eines idealisiert-aristokratischen Römertums:
Das Werk, das ich beginne, enthält eine Fülle von Unglück, berichtet von blutigen Kämpfen, von Zwietracht und Aufständen, ja sogar von einem grausamen Frieden. Vier Fürsten fielen dem Dolch zum Opfer, drei Bürgerkriege wurden geführt, noch mehr Kriege mit auswärtigen Feinden, beide Arten meistens zur gleichen Zeit. (...) Sklaven wurden bestochen gegen ihre Herren, Freigelassene gegen ihre Patrone und, wenn ein persönlicher Feind fehlte, der wurde ein Opfer seiner Freunde. (Historien I)
Die Identifikation mit dem eigenen Imperium und den oder ausgewählten Reichen und Mächtigen bleibt durchgehender Standard. Autoren wie Sueton oder Sallust werden dann nicht nur stilistische Vorbilder für mittelalterliche Geschichtsschreibung, in der die eigenen Herrscher und Machthaber meist mit Lobhudelei versehen und ihre Gegner diffamiert werden. Ganz offen sagt das zum Beispiel einer der Gebildeteren, Otto von Freising in seinen 'Gesta Frederici', also dem Tatenbericht Kaiser Friedrichs I.: Die Absicht (intentio) aller, die vor uns Geschichte (res gestas) geschrieben haben, war es, so meine ich, die glänzenden Taten tapferer Männer (virorum fortium clara facta) zu preisen (... OttoGesta, S.114). Und er wird genau das für seinen Kaiser und Verwandten tun. Da es sich seit dem Ende des weströmischen Imperiums für rund tausend Jahre um geistliche Autoren handelt, Bischöfe, Mönche, Äbte, kommt zur weltlichen nun die kirchlich-religiöse Propaganda hinzu.
Die moderne Geschichtsschreibung mit wissenschaftlichen Kriterien ist im Umfeld eines späten Kapitalismus entstanden und von diesem notwendig geprägt worden. Die Unterordnung der Menschen unter das Kapital als magische sowie handfeste Abgabe von Lebendigkeit an dasselbe, die zugleich ja Ein- und Unterordnung in eine Hierarchie von Agenten und Agenturen seines Verwertungsprogramms ist, die Ausweitung der Gratifikationen und Kompensationsmöglichkeiten - Lebendigkeit aus zweiter Hand - die sich immer rapidere Ausweitung der Zerstörung alles Lebendigen auf der Erde zugunsten einer Welt toter Waren, --- all das wurde ignoriert durch eine Begrifflichkeit, die ich als neuzeitlich idealistisch bezeichne und in der eine hochgradige Verklärung des kapitalistischen "Fortschritts" als Heilsreligion veranstaltet wird. Der Umgang mit Wörtern wie "Freiheit", "Gleichheit", "Demokratie", "Wohlstand" u.v.a. vergoldet den oft vergleichsweise behäbigen Alltag von Verbeamteten der "Wissenschaft". Das Schulterklopfen der staatlichen und privaten Geldgeber war und ist ihnen so gewiss wie die fehlende Beunruhigung angesichts dessen, was Menschen so anrichteten und weiter anrichten.
Diese Geschichte ist eben auch eine der Wenigen, die sie als "Wissenschaft" betreiben, fern jeder Öffentlichkeit der weit mehr als 99% der Bevölkerung, die sie auch ganz praktisch fast überhaupt nicht bemerken, weil sie sich dafür nicht die Zeit nehmen und wohl auch schnell intellektuell überfordert sind. Dabei kommt es reichlich unreflektiert zu einer ganz besonderen Bindung zwischen den Historikern und denen, die sie kommentierend begleiten und gerne derart ein wenig adoptieren.
Das Problem der Geschichte von Wenigen für Wenige hat allerdings auch eine ganz andere Seite; - unter den Bedingungen von Zivilisationen spätestens seit der griechischen und römischen Antike werden die meisten Menschen nicht nur von der Geschichtsschreibung als entindividualisierte Massen betrachtet, als Material für diejenigen, die "Geschichte machen", als manipulierbare Klientel der Mächtigen, sondern sie sind auch nur allzu oft tatsächlich dazu gemacht worden. Zivilisationen verlangen brave und möglichst gedankenlose Untertanen, und zwar sehr viele, nicht zuletzt solche, die als städtische "Volks"massen, besser, als urbane "Bevölkerung" Untertänigkeit, Schutz und Versorgung verlangen - und sonst gar nichts.
Leute, die in Armeen und Manufakturen hineindomestiziert werden, in, Grundherrschaften, Plantagen und Bergwerke, in staatliche Schulen, Büros und Fabriken, und die dafür als Preis Drogen und Amüsierprogramme geliefert bekommen, Leute, die sich einer steten Propaganda-Berieselung von oben ausliefern und ausgeliefert werden, sind nicht nur individuell kaum noch beschreibbar, ihre Individualität ist auch kaum noch im nachherein verifizierbar. Und so sind sie in den Geschichtsbüchern üblicherweise der anonyme Stoff, aus dem die Namhaften und Benennbaren "Geschichte machen", sie sind Kanonenfutter, Arbeitskraft, Jubel- und Stimmvieh.
Das Erschreckende dieser Liebe zur Untertänigkeit, ein Komglomerat aus Faulheit, Bequemlichkeit, Dummheit, Angst und Feigheit, hat sich am deutlichsten in den letzten Jahrhunderten in jenen sogenannten "Revolutionen" entfaltet, in denen eine machtgierige Clique eine andere "im Namen des Volkes" der einer "Klasse" abzulösen versuchte, und die, soweit erfolgreich, oft von den Protagonisten der modernen Geschichtsschreibung im Namen eines fast schon theologisch schöngeredeten Fortschritts hochgejubelt werden, bis hin zu den Lobreden auf derzeitige "Demokratien".
Es lässt sich aber ganz allgemein beobachten, dass sich mit der Zivilisierung, also der Zerstörung von Kulturen und der Schaffung untertäniger Massen eine allgemeine Neigung dieses längst geduckten "Volkes" zur Identifikation mit der Macht zeigt, eine Neigung zur Abgabe von Verantwortung an die Mächtigen auch auf Basis eines zunehmenden Unverständnisses der komplexer werdenden (eigentlich eigenen) Lebenszusammenhänge. Diese lässt sich wohl anthropologisch-biologisch mit der eingeborenen Neigung zur Faulheit und damit auch Verblödung von Säugetieren erklären, die in Gefangenschaft gehalten und dabei durchgefüttert werden. In den menschlichen Zivilisationen kommt dann als Kompensation noch die Vorhaltung von Amüsement dazu, höchste Gratifikation für Menschen, die von den Mächtigen als Nutztiere besonderer Art gehalten werden.
Gegen eine solche jahrtausendealte Historie, die man auch als interessegeleitete Geschichtsfälschung innerhalb eines kleinen Zirkels Interessierter bezeichnen kann, anzuschreiben, ist enorm schwierig. Zweimal gab es bislang Anstöße, es anders zu machen, einmal unter dem Einfluss von Karl Marx, was immerhin das Interesse vor allem von Frankreich ausgehend ein wenig in neue Richtungen lenkte, und dann in der BRD, als der Schock des Dritten Reiches und der Zerstörung Deutschlands im verlorenen Krieg seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts ein wenig zu wirken begann. Aber das hat die weitere Ideologisierung der Geschichte jeweils nach den neuesten Moden nicht aufhalten können und die zunehmende Zerstörung der deutschen Sprache und die nicht mehr nur mit Mitteln der Diffamierung betriebende Dogmatisierung einer politischen Korrektheit, die inzwischen deutlich an die Methoden der Bolschewiken und Nationalsozialisten gemahnt und in manchem bereits über sie hinausgeht, tut ihr übriges.
Aber einen Versuch hier soll es eben doch wert sein!